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»Der Tod ist nie umsonst«

Schule und Hospizarbeit an der Gesamtschule Porta

 

Wieder einmal war es so weit: Zum zweiten Mal fand an der Gesamtschule Porta Westfalica ein eintägiges Projekt „Schuleund Hospiz“ unter der Leitung der beiden Koordinatoren desMindener Hospizkreises, Elvira Gahr und Helmut Dörmann, statt. Elf junge Menschen zwischen 15 und 18 Jahren interessiertensich aus unterschiedlichen Beweggründen für die ThemenSterben, Tod und Trauer. Wie sie den Tag empfunden haben,welche Fragen sie hatten und welche Antworten sie gefundenhaben, sollen sie an dieser Stelle selbst zu Wort bringen ...

Der Tag begann mit einer aufgelockerten und intimen Stimmung,die durch die mit gemütlicher Dekoration bestückte Atmosphäreund den Umgang miteinander unterstrichen wurde.Nach der Vorstellungsrunde ließen wir uns von den sogenannten „Bäcker-Bildern“ faszinieren. Wir durchlebten den Sterbeprozessvon Herrn B. und fühlten mit ihm. Es war eindrucksvoll, da diese Bilder viel über ihn und seine Gefühle aussagen.Währenddessen beschäftigten wir uns damit, wie wir agiert undgemalt hätten. Anschließend erfuhren wir die Geschichte hinter den Bildern und Herrn B.s Beweggründe. Dies war äußerst fesselnd, da das Unterbewusstsein stark mit hineinspielte und dies in aussagekräftigen Symbolen in den Bildern resultierte.All unsere Gedanken und Gefühle, die aufkamen, brachten wirim nächsten Schritt kreativ zum Ausdruck. Gedichte, Bilder,Collagen und Texte halfen uns, das Gefühlschaos zu beseitigenbzw. zu ordnen. Als wir unsere Werke vorstellten und die jeweilsanderen Ausarbeitungen kennenlernten, erfuhren wir, wie verschiedendie anderen Sichtweisen auf die Thematik waren. Ich persönlich war anfangs aufgewühlt und konnte meine Gefühle schwer beschreiben. Je weiter unsere Arbeit voranschritt, desto mehr lernte ich die anderen Seiten des Todes und die Sicht anderer kennen und wurde immer ruhiger. Natürlich waren wir alle nachdenklich, jedoch konnte ich lernen, dass es keinenGrund zur Beunruhigung gibt. Der Abschied ist selbstverständlich nicht einfach, aber uns wurde vermittelt, dass es jeder für sich individuell verarbeiten muss, und wir besprachen verschiedene Möglichkeiten. Auch wichtige Punkte, die man besprechen kann bzw. soll, kamen auf den Tisch. Da jeder schon mal in einerArt und Weise mit dem Tod konfrontiert wurde, weiß er jetzt,worüber er keinesfalls schweigen sollte. Und das Wichtigste vonallem: Keiner ist allein. Neben Freunden und Verwandten gibt esauch Institutionen, die helfen. Im finalen Resümee ließen sich die allgemeine Zufriedenheit und die Ruhe erkennen. Die Angst oder Verzweiflung wurde durch Zuversicht und Hoffnung ersetzt. Der Tag hörte damit offiziellauf, jedoch in meinem Kopf geht die Auseinandersetzung mitdem Thema weiter.


Özge, 18 Jahre

Ich habe Angst vor dem Tod, weil ich nicht weiß, was danach kommt und mir nicht vorstellen kann, dass jemand einfach nicht mehr da ist und nie wieder kommt.
Ich sehe, dass mein Opa immer schwächer wird. Alles, was er anfängt, wird nach kurzer Zeit zu anstrengend und zu schwer für ihn. Andererseits würde er nicht mehr darunter leiden, dass er nichts mehr zufriedenstellend machen kann. Wenn er sterben würde, würde ich mir wünschen, dass wir in der Familie darüber reden, dass mich meine Freunde unterstützen, mir helfen und mich auch mal ablenken, oder dass sie einfach nur da sind!


Laura, 16 Jahre

„Bis heute hatte ich, wenn ich an Tod und Sterben dachte, eine Menge negative Gefühle. Nach dem heutigen Hospizprojekt fühle ich mich innerlich so ausgeglichen – irgendwie in meiner Mitte.“


Özge, 18
„Ich habe heute gelernt, dass ein unangenehmes Thema wie der Tod oder ein Gefühl wie Angst leichter wird, wenn man darüberredet.“


Marco, 16
„Der Glaube an ein Leben nach dem Tod ist wie ein Überraschungsei – man weiß nie, was drin ist!“


Sina, 15
„Der Tod ist nicht umsonst – er ist ein Geschenk für die, die bleiben: Jeder, der zurückbleibt, wird reifer.“


Jacqueline, 16
„Das Sterben Anderer lehrt mich, das Leben aus der anderen Perspektive zu sehen. Das kann ich aber erst, wenn ich durch den Prozess dieses Sterbens mitgegangen bin und die Trauer durchlebt habe.“


Özge, 18

... Wie schon das letzte Mal ließen mich die Schülerinnen und Schüler mit einem Gefühl tiefen Respekts vor ihrer Offenheit, Sensitivität, Tiefgründigkeit und Auseinandersetzungsbereitschaft zurück. An solchen Tagen lernen wir so viel voneinander und erfahren ein so großes Maß an Nähe, wie es nur in der menschlichen Begegnung möglich ist. Hier findet die wahre Schule des Lebens statt, und ich bin sehr dankbar, ein Teil davon zu sein.

 

Mechthild Bock, ehrenamtliche Mitarbeiterin und Lehrerin

 

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