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»Die Würfel sind gefallen«
Bilder des Herrn B. beeindrucken Studierende am Campus Minden

 

Die Themen Sterben und Tod begleiten Studierende des dualen Bachelorstudiengangs „Gesundheits- und Krankenpflege“ (B. Sc.) der Fachhochschule Bielefeld in ihrem achtsemestrigen Studium, in dem sich Theorie- und Praxisphasen abwechseln. In den praktischen Einsätzen, die beispielsweise auf Stationen im Krankenhaus und im ambulanten Dienst absolviert werden, pflegen die Studierenden Patienten mit lebensbedrohlichen Erkrankungen ebenso wie sterbende Patienten, treffen auf trauernde Angehörige und finden sich mit sehr emotionalen und belastenden Situationen konfrontiert. Um das Erlebte zu reflektieren und zu verarbeiten, wird es regelmäßig in den Lehrveranstaltungen der Theoriephasen, die in der Fachhochschule Bielefeld oder der Berufsfachschule stattfinden, aufgegriffen. Konkrete Fallbeispiele, die die Studierenden berichten, werden aus den verschiedenen Perspektiven der Beteiligten reflektiert und mit theoretischem Wissen verknüpft, um Handlungsmöglichkeiten abzuleiten.

Zu den zukünftigen Aufgaben als Gesundheits- und Krankenpfleger/innen zählen neben den pflegerischen Tätigkeiten auch die Beratung und die Weitergabe von Informationen an Betroffene und ihre Angehörigen. Um ein tieferes Verständnis zu speziellen Themenbereichen zu erzeugen und wertvolle Verbindungen und Kontakte zu Anbietern des Gesundheitswesens zu knüpfen, laden Lehrende der FH Bielefeld regelmäßig Expertinnen/Experten zu den Lehrveranstaltungen ein.

Am 17.05.2016 waren die Koordinatoren des Hospizkreises Minden e. V. Frau Elvira Gahr und Herr Helmut Dörmann in dem Modul „Ambulante Pflege und Versorgung älterer Menschen“ als Referenten in der FH Bielefeld am Campus in Minden. In den ersten beiden Stunden berichteten sie den Studierenden des achten Semesters über die Organisation im Hospizkreis Minden e. V., über die Arbeit mit Gruppen für trauernde Angehörige und Eltern sowie Gesprächskreise und die Zusammenarbeit mit anderen Anbietern im Kreis Minden-Lübbecke. Neben gesetzlichen Regelungen ging es ebenfalls um den Auf- und Ausbau einer Ethikberatung. Im Anschluss sollten sich die Studiereden mit Bildern auseinandersetzen, in denen der Patient Herr B. in den letzten Monaten seines Lebens malerisch sein Erleben und seine Gefühle festgehalten hat. Der Maler stellt in einem von insgesamt acht Bildern seinen Traum dar, in dem „die Würfel gefallen sind“. Obwohl kein Arzt oder Angehöriger ihm die Ernsthaftigkeit und Endgültigkeit seiner Erkrankung geschildert hat, nimmt er die Gefühle und Signale seines Körpers wahr.Die Studierenden waren von der Veranstaltung sehr beeindruckt. Besonders hervorgehoben haben sie, dass ihnen durch die Arbeit mit den gemalten Bildern die Gefühle und Ansichten eines Sterbenden verdeutlicht worden seien. Diesen Perspektivwechsel haben sie als besonders gewinnbringend wahrgenommen. Außerdem fühlen sie sich gut informiert über die Arbeit und die Organisation des Hospizkreises Minden e. V. Für ihre eigene Arbeit schätzten sie die Informationen als sehr wertvoll ein und haben diese auch schon an Betroffene weitergeben können. Insbesondere das Thema Trauerarbeit war ihnen bis dahin relativ unbekannt. Einige Studierende waren sehr erleichtert, dass es nicht um ihre eigenen Erfahrungen zum Thema Tod und Sterben ging, da sie das als sehr persönlichen Bereich wahrnähmen und sie das Erzählen und Erinnern emotional belastet hätte.

Wir bedanken uns herzlich für den Vormittag, der uns alle beeindruckt, nachdenklich gemacht und inspiriert hat und hoffen, dass wir Sie wieder am Campus Minden begrüßen dürfen.

Ariane Rolf M.A. (wissenschaftliche Mitarbeiterin und Lehrkraft, FH Bielefeld, Campus Minden) und Prof. Dr. Matthias Mertin (Professor für Pflegewissenschaft mit dem Anwendungsschwerpunkt Beratung, FH Bielefeld, Campus Minden)

(2016)

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