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»Woher und wohin?« Nachdenken über Menschen

Interview mit Hermine Ducks-Schiller

 

Mit Hermine Ducks-Schiller bin ich an einem sonnigen Frühlingstag in einem Mindener Café zum Interview verabredet und sie begegnete mir dort offen und voller positiver Energie. So habe ich sie bereits 2013 an einem Kurswochenende in Oberlübbe kennengelernt. Hermine Ducks-Schiller ist 55 Jahre alt, verheiratet und hat drei Kinder, wovon zwei bereits erwachsen sind. Sie ist als Erzieherin und Diakonin seit 35 Jahren bei der Diakonischen Stiftung Wittekindshof beschäftigt und hat dort verschiedene Beschäftigungsfelder durchlaufen und so mannigfaltige Erfahrungen im Umgang mit Menschen gesammelt. Im Jahr 2013 hat sie den Befähigungskurs beim Hospizkreis absolviert und ist seitdem als ehrenamtliche Mitarbeiterin in der Sterbebegleitung tätig. Sie erzählt mir nachdenklich über einige Erlebnisse mit dem „Sterben“, die sie bewogen haben, über das „Woher“ und „Wohin“ der Menschen nachzudenken. Geburt und Tod sind für Hermine Ducks-Schiller ganz besondere Ereignisse. „Ich habe den Kurs bewusst gemacht, um hinterher schwerkranke und sterbende Menschen zu begleiten! Außerdem nimmt mir der Umgang mit diesen Menschen die Ängste vor dem eigenen Sterben.“, so
Hermine Ducks-Schiller.

 

Wo möchten Sie am liebsten leben?
Wo ich mich zu Hause fühle und wo die Menschen sind, die mir wichtig sind und denen ich wichtig bin. Das ist nicht an einen bestimmten Ort gebunden.

 

Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück?
Wichtig ist für mich vor allem, meine Aufgabe hier im Leben zu erkennen und dann möglichst auch zu erfüllen. Schön wäre es, mir am Lebensende sagen zu können: „Ich habe meine Zeit genutzt!“


Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?
Es gibt wenig Fehler, die ich nicht verzeihen könnte. Fehler machen ist menschlich.


Was ist für Sie das größte Unglück?
Wenn meinem Mann und meinen Kindern etwas passieren würde.


Ihre Lieblingsheldinnen/-helden der Wirklichkeit?
Da habe ich viele! Aber ganz wichtig ist für mich z .B. der Dalai Lama wegen seiner Zuversicht und Haltung in der Tibetfrage. Und vor allen Dingen und stellvertretend für viele Menschen, die sich zurzeit ihn ähnlicher Situation befinden, meine Großmutter, die mit ihren drei Kindern die Flucht aus Ostpreußen gewagt und überlebt hat.


Ihre Lieblingskünstlerinnen/-künstler?
David Bowie, Paula Moderson-Becker und Rainer Maria Rilke


Welche Eigenschaften schätzen Sie an einem Menschen am meisten?

Ehrlichkeit, Authentizität und die Fähigkeit zur Selbstreflexion.


Ihre Lieblingsbeschäftigung?
Ich lese gerne. Zu einem guten Tag gehört auch, im Garten zu arbeiten oder dort einfach die Seele baumeln zu lassen.


Welche Gabe möchten Sie besitzen?
Wertfrei und aktiv zuhören können ist eine wundervolle Gabe. Davon hätte ich gerne mehr.


Ihr Hauptcharakterzug?
Ich bin verlässlich und versuche authentisch zu sein. Außerdem
bin ich gerne fröhlich und gewinne auch oft noch den Unbillen des Lebens eine gute Seite ab.


Ihre größte Schwäche?
Ungeduld! Aber ich arbeite an mir ...


Welches geschichtliche Ereignis ist für Sie am bedeutsamsten?
Das Kriegsende 1945 und die Befreiung vom Naziregime durch die Aliierten.

Wie möchten Sie gerne sterben?
Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich natürlich gerne hochbetagt und bei guter Gesundheit, im Frieden mit meinem Leben, abends zu Bett gehen und einschlafen ... Sollte mir das nicht vergönnt sein, wünsche ich mir, mich
bewusst und möglichst schmerzfrei auf mein Sterben und meinen Tod vorbereiten zu können. Das ist für mich nicht gleichbedeutend mit langem Leiden. Ich stelle mir das auch für meine Angehörigen etwas leichter vor, als vielleicht plötzlich durch z.B. einen Unfall zu versterben.


Was ist für Sie das Besondere an Ihrer Hospizarbeit?
Da ich hauptsächlich im häuslichen Bereich begleite, ist für mich das Besondere, dass die Menschen mich, oftmals ganz nah, in ihr privates Umfeld lassen und mir schon dadurch viel Vertrauen entgegenbringen. Das ehrt und bereichert mich. Wie ist es für Sie, wenn in einer Begleitung durch die krankheitsbedingten Umstände nicht mehr die Möglichkeit zu einer verbalen Kommunikation mit dem Kranken besteht? Das ist mir in Begleitungen schon begegnet und ist mir auch durch meinen Beruf nicht fremd. Basale Kommunikation durch Berührungen, Blicke, zusammen atmen und vieles mehr ist dann meist immer noch möglich … Ich entscheide dann intuitiv in der jeweiligen Situation und versuche zu erspüren, was in diesem Moment angebracht ist.


Das Interview führte Inge Tegtmeier,
ehrenamtlich Mitarbeitende

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